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Es war alles angerichtet. Der prestigeträchtige Frühjahrsklassiker am 1. Mai war im Vorfeld zum großen Duell der deutschen Topmannschaften stilisiert worden. In den Hauptrollen: T-Mobile und Gerolsteiner, die in Frankfurt angetreten waren, um Titelverteidiger Erik Zabel und seinem neuen Team Milram das Siegen unmöglich zu machen.
"Wir müssen versuchen, schon im Taunus die Entscheidung suchen", hatte Patrik Sinkewitz bereits vor dem Start gesagt. Klar. Wer möchte schon freiwillig mit der schnellsten Doppelspitze der Welt auf die Zielgerade einbiegen? Zabel und dessen italienischer Kollege Alessandro Petacchi, der bereits 13 Saisonsiege aufweist, wären dort die turmhohen Favoriten - so glaubte man. Die Taktik der Konkurrenz war daher so logisch wie simpel. Das Bonner Werksteam begann auf der Taunusschleife bereits frühzeitig zu attackieren, stellte an diesem Nachmittag die aktivsten Fahrer, doch am letzten Anstieg Richtung Ziel auf der Darmstädter Landstraße ging T-Mobile dann mit fliegenden Fahnen unter.
Hauchdünner Vorsprung
Das Feld schien auf den "Sprint Royal" des Teams Milram förmlich zu warten. Petacchi ackerte vorbildlich für seinen deutschen Kollegen, zog den Sprint an, doch Zabel bekam das Hinterrad des Italieners gar nicht erst zu sehen. Statt des Rekordsiegers aus Unna schoss Petacchis Landsmann Stefano Garzelli aus dem Windschatten des weltbesten Sprinters. Der 32 Jahre alte Giro-Sieger von 2000 nutzte die sich plötzlich bietende Chance und rette einen hauchdünnen Vorsprung gegen die heranstürmende Konkurrenz in Ziel. Gerald Ciolek und Danilo Hondo flogen förmlich heran. "Wäre das Rennen nur zehn Meter länger gewesen…", haderte der erst 19 Jahre alte Ciolek, der auf den letzten Metern die höchste Endgeschwindigkeit entwickelte, mit seinem Timing. Hondo als auch der spätere Vierte Zabel waren hingegen vom italienischen Routinier Garzelli ausgebremst worden. "Dadurch habe ich meinen kompletten Schwung verloren", klagte Hondo. Der Cottbusser, dank der Aufhebung seiner Dopingsperre bis zu einer Gerichtsverhandlung im Herbst startberechtigt, freute sich nur bedingt über seinen dritten Rang: "Heute war mehr drin."
Das dachten lange Zeit auch Patrik Sinkewitz aus dem T-Mobile-Team und Jens Voigt aus dem dänischen Rennstall CSC, die mehr als 100 Kilometer lang vorneweg gefahren waren. Schon nach 70 Kilometern hatte der Hesse von T-Mobile am Anstieg zur Billtalhöhe die Initiative ergriffen. Seiner Tempoverschärfung konnten nur sieben weitere Fahrer folgen von denen alsbald nur noch Voigt und Sinkewitz' Teamkollege Steffen Wesemann übrig blieben. Das Trio harmonierte prächtig. Selbst als Wesemann aufgrund eines technischen Defekts nach 96 Kilometern abreisen lassen musste, ließen sich Sinkewitz und Voigt von ihrem gemeinsamen Ziel nicht abbringen. Es war eine beeindruckende Präsentation der eigenen Stärke, die zumindest Sinkewitz schon zuvor bei den Frühjahrsklassikern unter Beweis gestellt hatte. Erst vor gut einer Woche hatte der Fünfte der aktuellen ProTour-Wertung Platz vier bei Lüttich - Bastogne - Lüttich belegt. Klar, dass der 25 Jahre alte Radprofi aus Künzell bei Fulda im Wissen um seine guten Beine mit einem klar umrissenen Ziel auf die Strecke gegangen war: "Ich will mein Heimrennen gewinnen." Nicht minder ambitioniert war Deutschlands Radsportler des Jahres. "Ein Sieg am Henninger-Turm macht sich gut in jedem Palmarès", sagte Voigt, der sich im Winter einen dreifachen Bänderriss in der Schulter zugezogen hatte.
Am Ende standen beide mit leeren Händen da. "Das ist schon ziemlich bitter", sagte ein sichtlich enttäuschter Sinkewitz. Das Fluchtpaar war noch mit knappem Vorsprung vor den Verfolgern auf die letzte der drei 4,5 Kilometer langen Schlussrunden eingebogen. "Hätte Wesemann nicht den Defekt gehabt, hätten wir unseren Vorsprung sicher bis ins Ziel gerettet", sagte Sinkewitz, der den dramatischen Schlussspurt als 55. ebenso wenig verfolgen konnte wie Voigt, der als 42. einkam. "Meine einzige Chance bestand darin, früh die Entscheidung zu suchen", sagte Voigt am Ende seiner misslungenen Flucht. "Ich hatte in Patrik den perfekten Partner, wir sind 110 Kilometer allein im Wind gefahren. Dass es nicht geklappt hat, ist schade, aber nicht tragisch. Ich werde es weiter versuchen." Das ist einfach sein Naturell. Am kommenden Samstag startet der 34 Jahre alte Mecklenburger aber erst mal als Edelhelfer für seinen Kapitän Ivan Basso beim Giro d'Italia.
Die Italien-Rundfahrt ist für Stefano Garzelli in diesem Jahr kein Ziel. Der Italiener bereitet sich auf die Tour de France vor und freute sich diebisch über seinen Erfolg in Frankfurt. "Hier zu gewinnen, ist ein Highlight", sagte Garzelli, der ein Jahr lang sieglos geblieben war. "Dieses Rennen in ein absoluter Klassiker, der längst schon ProTour-Status haben müsste." |