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Fuldaer Zeitung vom 29.04.06
Beim Lob aus berufenem Munde huscht Patrik Sinkewitz ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. In den Redaktionsräumen der Fuldaer Zeitung erfuhr der Radprofi, dass ihm sein Teammanager Olaf Ludwig zutraut, „ein ganz Großer zu werden.“
"Warte nicht auf die Sprinter"
Radsport: Patrik Sinkewitz kommt selbstbewusst zum Henninger Turm

Von unserem Redakteur
Björn Gauges


FULDA Beim Lob aus berufenem Munde huscht Patrik Sinkewitz ein zufriedenes Lächeln übers Gesicht. In den Redaktionsräumen der Fuldaer Zeitung erfuhr der Radprofi, dass ihm sein Teammanager Olaf Ludwig zutraut, „ein ganz Großer zu werden.“ Denn kurz vor seinem Besuch in der Frankfurter Straße lief die Nachricht über den FZ-Ticker: Ludwig kann sich den 25-Jährigen als Nachfolger von Jan UIlrich bei den großen Rundfahrten vorstellen. Die verbale Unterstützung des mächtigen Sportlichen Leiters hat sich der schmächtige junge Mann redlich verdient: Bei den Frühjahrsklassikern, den jüngsten Eintagesrennen in Belgien und den Niederlanden, reihte er eine Topplatzierung an die nächste. Nach seiner starken Baskenland-Rundfahrt, bei der er im März den vierten Platz belegte, drehte Sinkewitz zuletzt richtig auf. Beim Amstel Gold Race Vierter, beim Fleche Wallonne Fünfter und zuletzt bei Lüttich-Bastogne-Lüttich wiederum Vierter: Der junge Künzeller hat die Radsportfans nachhaltig beeindruckt.
Wie stark er momentan wirklich ist, zeigt der Schlusssprint bei seinem letzten großen Rennen. Kurz vor dem Ziel in Lüttich versuchte er aus einer Spitzengruppe heraus die Flucht nach vorne. „Ich habe gemerkt, dass ich die stärksten Beine habe“, sagt er ohne falsche Bescheidenheit. „Im Sprint hätte ich sowieso keine Chance: Also habe ich es von vorne versucht.“
Nur drei Mann musste er vor dem Zielstrich an sich vorbei ziehen lassen: Den Sieger Alejandro Valverde, Paolo Bettini und Damiano Cunego: Allesamt absolute Stars im Fahrerfeld. „Es war natürlich ganz schwer, diese Topleute abzuhängen“, sagt Sinkewitz. Aber der ehemalige Teamkollege und letztjährige Weltcup-Sieger Bettini habe ihm einst den Tipp gegeben: „Wer gewinnen will, muss riskieren zu verlieren.“ Die Worte seines einstigen Mentors beim Quickstep-Team hat er beherzigt – wenn auch ohne einen Platz auf dem Podest herauszufahren. „Ich kenne das ja selbst“, sagt er. „Wenn du einem in der Spitzengruppe am Hinterrad hängt, fährst du, bis du Sternchen siehst.“
Die hat Sinkewitz zuletzt wohl auch der Konkurrenz beschert. Lohn seiner beeindruckenden Arbeit sind aber nicht nur lobende Worte vom Teammanager bei T-Mobile, sondern auch Platz fünf in der Weltcup-Gesamtwertung. In der führt momentan der Spanier Valverde. Nach dieser Liste ist Sinkewitz momentan bester deutscher Radfahrer. Damit dürfte seiner Nominierung für den T-Mobile-Kader bei der Tour de France nichts mehr im Wege stehen. Neun Fahrer dürfen die Magentafarben bei der großen Schleife tragen: Zwölf Kandidaten gibt es. „Ich hoffe schon, dass ich dabei bin“, sagt er. Dann gebe es nur eine einzige Aufgabe für den Künzeller: Die bedingungslose Unterstützung für Teamkapitän Jan Ullrich. Und in dem hat er bereits einen wichtigen Fürsprecher gefunden: „Mit seiner jetzigen Form wäre er für unser Tour-Team eine Verstärkung, außerdem ist er ein symphatischer Bursche“, sagt der Kapitän.
Zuvor hat Sinkewitz beim wichtigsten deutschen Rennen am 1. Mai aber noch andere Ziele. „Die Strecke ist schwierig, es gibt ordentliche Steigungen: Das liegt mir“, sagt der T-Mobile-Fahrer, der erneut mit einem Platz ganz vorne auf dem Podest liebäugelt. Allerdings liegen nach den Taunusbergen noch 40 flache Kilometer vor den Fahrern. Da komme das Feld meistens wieder an Ausreißergruppen heran. Trotzdem verspricht Patrik Sinkewitz, auch am Henninger Turm wieder ein gutes Resultat abzuliefern: „Ich werde jedenfalls nicht auf die Sprinter warten“. Ein gutes Omen könnte ihm bei seinem großen Ziel helfen: Vor genau zehn Jahren gewann er am Henninger Turm das Rennen der Junioren. Und „irgendwann muss es einfach wieder klappen.“ (29.04.06)