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21.04.06 - Patrik im Interview
Lesen Sie hier das aktuelle Interview von Patrik mit dem TV-Sender Eurosport.
Nach zwei fünften Plätzen bei den letzten Klassikern will Patrik Sinkewitz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich noch weiter vorne landen. Im Exklusiv-Interview spricht er über seine Ziele für die "Mutter aller Klassiker", die Sieglosigkeit von T-Mobile und seine Ex-Teamkollegen Paolo Bettini und Tom Boonen. Klappt es nach zwei tollen Auftritten in den letzten beiden Rennen nun im dritten Anlauf mit dem ganz großen Wurf?

 Patrik Sinkewitz: Ein weiterer fünfter Platz wäre natürlich auch ein gutes Resultat - aber besser wäre es, wenn es jetzt für noch weiter vorne reicht! Die Form ist gut, eine starke Mannschaft haben wir auch - wenn noch etwas Glück dazu kommt, sollte ein noch besseres Ergebnis möglich sein.


Was erwarten Sie für einen Rennverlauf?

 Sinkewitz: Erstmal hoffe ich auf gutes Wetter: Es soll ja warm werden und das käme mir entgegen. Ich rechne damit, dass es ein Ausscheidungsfahren wird und am Ende nur noch die besten Fahrer zusammen sind. Dann werden wir hoffentlich noch mit vielen Fahrern vorne dabei sein und können das Finale selbst mitbestimmen - das wäre der ideale Rennverlauf für uns.


Wie sieht die teaminterne Marschroute aus?

 Sinkewitz: Es gibt zwar eine Richtlinie, aber das kann man vorab auch nicht immer genau bestimmen. Wir müssen erst einmal versuchen, mit möglichst vielen Fahrern auf die letzten Kilometer zu kommen. Dann spielt die jeweilige Rennsituation eine Rolle, in der wir uns untereinander absprechen und flexibel reagieren werden. Aber ich habe sicher gute Karten und auch Matthias Kessler hat seine Form unter Beweis gestellt - da haben wir schon zwei Leute, die ganz vorne landen können. Das ist eine sehr gute Ausgangsposition für uns.


Trotz vieler Top-Ergebnisse im April wird von manchen Kritikern immer auf den fehlenden großen Sieg verwiesen: Nervt das nicht?

 Sinkewitz: Wir sind eines der besten Teams der Welt, haben jede Menge ausgezeichnete Fahrer, zeigen starke Rennen - es ist normal, dass von uns große Erfolge erwartet werden. Das ist auch unser eigener Anspruch. Wir kämpfen darum und haben in den letzten Rennen bewiesen, dass wir um den Sieg mitfahren können - und werden das auch in Lüttich wieder tun. Im Radsport kann man aber einen Sieg nicht erzwingen - es ist am Ende nur ein Fahrer vorn, aber 200 stehen am Start. Aber wenn wir weiter so fahren, muss und wird es früher oder später klappen.




Welche Rolle spielen Erfahrung und Streckenkenntnis bei diesen Rennen? Im Vorjahr sagten Sie uns, Sie hätten beim Amstel Gold Race einen besseren Platz vergeben, weil Sie zu weit vorne in den Schlussanstieg gegangen sind. Setzt man diese Erfahrungen nun erfolgreich um?

 Sinkewitz: Na klar, je öfter man das Rennen gefahren ist, desto besser ist das hinsichtlich solcher taktischen Details. Entscheidend ist aber noch immer die Form: Wenn die Beine gut sind, kann man sich auch einen taktischen Fehler leisten. Es kommen noch ein paar Jahre, ich habe mich bei diesen Rennen verbessert und vielleicht können wir da im nächsten Jahr noch mehr erwarten.


 Ein ganz heißer Sieganwärter ist in Lüttich immer auch Paolo Bettini, doch in den letzten Rennen hat es für ihn auch nicht zum Podium gereicht. Sie kennen ihn als langjähriger Teamkollege gut - woran lag's?

 Sinkewitz: Das ist ein ganz klassisches Beispiel für den modernen Radsport: Man braucht heutzutage auch eine starke Mannschaft, um Rennen zu gewinnen. Da reicht eine starke Einzelleistung nicht mehr aus. Er war in den letzten beiden Rennen mit der stärkste Fahrer, aber er war eben komplett auf sich alleine gestellt. So musste er schon vor dem eigentlichen Finale die Löcher bei Attacken selbst stopfen, viel im Wind fahren und bei jeder Gruppe dabei sein, weil er keine Helfer mehr hatte. Und an so schweren Schlussanstiegen wie dem Cauberg und der Mauer von Huy merkt man dann eben jedes "Korn", das man vorher gelassen hat. Genau das war zuletzt sein Problem.


Ein anderer Ex-Teamkollege von Ihnen ist Tom Boonen. Er hat angekündigt, gerne einmal auch in Lüttich siegen zu wollen - Sie kennen ihn und das Rennen gut: Ist das tatsächlich möglich?

 Sinkewitz: Nichts ist unmöglich - und ich würde auch gerne mal Paris-Roubaix gewinnen. Aber ich denke, er wird sich eher weiterhin auf die Dinge konzentrieren, bei denen er seine Klasse schon gezeigt hat. Ich bin nicht wirklich überzeugt, dass er sowas ernsthaft versuchen wird. Zwar kommt er kleinere Berge ganz gut hoch, möglich wäre es also schon - aber ich rechne nicht damit.


Wie sieht das Programm nach Abschluss der Ardennen-Woche aus?

 Sinkewitz: Für mich steht dann mein "Heimrennen" bei "Rund um den Henniger Turm" auf dem Programm. Ich hoffe, dass ich bis dahin meine Form noch weiter steigern und ganz vorne mitfahren kann.